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Das Universum vergisst nichts

sonnenaufgangpuzzelÜber 70 Jahre Frieden bei uns !

Wenige können sich noch persönlich daran erinnern, dass in unmittelbarer Nachbarschaft Bomben aufschlagen, Briefe ankommen mit der Botschaft, dass Väter oder Söhne gefallen sind oder diese als Krüppel mit dem Handwagen vom Bahnhof abgeholt werden müssen….

Und dennoch, der kollektive Schock sitzt auch bei der Enkelgeneration noch tief. Bei Aufstellungen z.B. ist das deutlich zu beobachten. Hinter scheinbar gegenwärtigen Problemen zeigen sich oftmals Traumata oder Verluste aus den Zeiten des 2. Weltkrieges. Wie kommt das?

Die Menschen waren froh, dass wieder Frieden herrscht, dass sie ihre Kinder wieder ernähren und mit der Zeit zu Wohlstand kommen konnten. Nur bei wenigen wurde Schuld gesühnt, es gab mehr oder weniger ein kollektives Totschweigen der unaussprechlichen Verbrechen an den Menschenrechten im 3. Reich. Der Einzelne hat die Erlebnisse für sich behalten oder ist irgendwie damit fertig geworden - glaubte er zumindest. Vergebungsarbeit wurde kaum geleistet, vergessen, überdecken, war die Regel. Doch das Grauen ist noch da und äußert sich heute in persönlichen Traumata der 2.und 3. Generation.

Meine Mutter erinnert sich noch an die Flüchtlingskolonnen nach dem Krieg, wie sie mit Rucksäcken oder Handwagen in den Städten ankamen und dort einfach Familien zugeordnet wurden. Es waren damals über zwölf Millionen Menschen, die in das geschrumpfte, zerbombte Restdeutschland integriert wurden.

Und heute - das Flüchtlingsthema wird zu einer Zerreißprobe für unsere Gesellschaft.

Woher kommt all dieser Fremdenhass, diese braune Soße, die Angstszenarien erzeugt und schürt ? Leute, die noch nie Kontakt mit Ausländern hatten sehen sich plötzlich bedroht, bangen um Haus, Hof und Leben. Fühlen sich Deutsche immer noch als die Herrenrasse ?

Natürlich ist das Thema nicht einfach, natürlich stehen wir vor großen Herausforderungen bei über einer Million geflüchteter Menschen, die bei uns Zuflucht suchen oder teilweise auch bessere persönliche Bedingungen.

ABER - wäre das nicht eine gute Gelegenheit etwas von dem, was unsere Großväter getan haben zu sühnen?

Wir schauen auf die großen humanistischen und spirituellen Traditionen in aller Welt und integrieren sie in unseren Alltag als selbstverständliches Geschenk.

Lasst uns auch etwas für die Menschen tun, die zeitweise unseren Schutz und unsere Hilfe brauchen. Helft mit, dass der Hass nicht wieder die Oberhand gewinnt und zur Doktrin wird.

Lasst uns nach dem Positiven schauen, den die neue Buntheit bei uns mit sich bringen kann.

UND - Bitte schaut nicht weg !

Kerstin Kramer, März 2016