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Wo ist die Grenze

Fotolia 168965185 SEs ist schön füreinander da zu sein. Doch was heißt das?
Heißt das, zuzuhören wenn der/die andere Gesprächsbedarf oder Sorgen hat?
Heißt das zuzufassen, wenn eine nützliche helfende Hand gebraucht wird?
Heißt das immer da zu sein und sich einzumischen auch wenn es niemand gewünscht hat?

Diese Grenzen sind fließend. Es ist die hohe Kunst des Zusammenlebens zu erkennen wo für mich und für Dich jeweils gerade diese Grenze ist.

Wunderbar, wenn Menschen einfach nur für einander da sind und in welcher Art auch immer helfend eingreifen , wenn es denn angezeigt und erwünscht ist.

Wunderbar wenn Partner füreinander, Eltern für ihre Kinder immer da sind, wenn Senioren, Kranke und benachteiligte Menschen umsorgt werden.

Gruselig, wenn jemand glaubt, ständig gute RatSCHLÄGE geben und im Leben anderer mitmixen zu müssen.

Kennt Ihr das?

„Fahr langsam !“, „Pass auf dass nichts passiert !“, „Musst Du dieses Risiko schon wieder eingehen?“

… Gut gemeint, doch gibt es dann nicht gerade der unerwünschten Energie Aufmerksamkeit und Kraft ? Viel zu gedankenlos gehen wir oft mit diesen Dingen um.

Im Großen hat das noch eine andere Dimension. Wo ist die Grenze zwischen Mitgefühl und Sensationslust?

Mitunter ist aus Nachrichten herauszuhören: „Ach schade, dass nicht noch mehr passiert ist, schade, dass bei dem Erdbeben nicht noch ein paar mehr Leute umgekommen sind, was - nur ein paar Häuser eingestürzt?- da muss gleich noch die Meldung der letzten Katastrophe vor x Jahren heraus gekramt werden um den Sensationshunger zu befriedigen.

Aber wem nützt das?

Den Menschen in der Katastrophensituation ganz gewiss nicht und dem eigenen Energiesystem auch nicht, denn Angst, Mitleid, Schadenfreude oder ähnliche Gefühle tun uns selbst nicht gut.

Da fällt mir das altbekannte Pilgergebet wieder ein: „Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“.

Kann ich die Auswirkungen von Kriegen oder Naturkatastrophen ändern?- NEIN- daher ist es auch nicht sinnvoll, laufend darauf herum zu denken und Befürchtungen zu hegen.

Aber wir alle können zum Beispiel an eine zuverlässige Organisation spenden oder ganz konkret dem Flüchtling um die Ecke helfen, sich in unserer Gesellschaft zu recht zu finden, Hilfe zur Selbsthilfe anbieten…. Für einander da sein, eben.

Kerstin Kramer
Systemischer Coach