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Verantwortungsvolles Handeln

Ist helfen immer richtig?
Natürlich, sagt der Gutmensch und er freut sich darauf, dafür sein Lob zu bekommen.
Helfend loszuspringen ist das Einfachste. Dann braucht man den Schmerz des anderen auch nicht so intensiv zu ertragen, hat ein gutes Gewissen etwas getan zu haben. Und… meist ist es ja auch nützlich. Aber…möchte das der „Beholfene“ auch immer ? Geschieht hier nicht oftmals etwas im vorauseilenden Gehorsam, im Gutwill, was der andere gar nicht haben möchte?
Ich will ehrlich sein - In den ersten Jahren meiner Heiler- und Coachingtätigkeit wollte ich immer gleich alle Hilfe ausprobieren und wirken sehen. Ich gab vor zu wissen, wie sich jemand fühlt (in bestem Gewissen) und half mit meinen Mitteln wo immer es ging. Heute sehe ich das sehr viel anders. Oft kostet es sehr viel Mühe, es auszuhalten, wenn jemand die Hilfe, bewusst oder unbewusst- nicht annehmen möchte. Aber hier sind wir beim „Verantwortungsvollen Handeln“, bei der Selbst- Verantwortung jedes einzelnen Menschen.
Gerade in der Heilerszene finden wir immer wieder Menschen, die vorgeben zu wissen, was andere brauchen oder mit welchen Methoden diese „geheilt“ werden können. Manche bezeichnen ihre Methode als das Non plus Ultra, anwendbar auf alles und jeden. Aber was ist dann mit der „Selbstverantwortung“? Ist es nicht gerade wichtig, diese jedem Menschen zu lassen, ja, sie zu entwickeln, bzw. den Menschen zu helfen sie zu entwickeln? Die alternative Heilerszene möchte sich von der Schulmedizin abheben, verfällt aber mitunter ebenfalls in die Methodik, dem unmündigen Klienten etwas zu verordnen, statt ihn dabei zu unterstützen, zum mündigen Selbstentscheider zu werden. Ist die Heilung oder die Form der Heilung konform mit dem Lebensplan der Seele wird Heilung geschehen, nicht wenn der Heiler seinem Ego Zucker gibt. Das heißt natürlich nicht, sich zurückzulehnen und abzuwarten.
Das heißt für den mündigen Klienten genau zu schauen, wem er sich anvertraut.

Hat der Therapeut eine fundierte Ausbildung und eine ethische Einstellung?

Handelt er verantwortungsbewusst im Sinne der Selbstentwicklung des Klienten?

Oder ist es n u r ein guter Verkäufer mit einer klangvollen Marketingstrategie, der sich einen alles-gläubigen, gut zu steuernden Klienten sucht oder ihn sogar in Abhängigkeit bringen möchte?

Verantwortung ist für mich, mit dem Klienten nur das zu tun was man wirklich kann und wenn dieser (bewusst oder unbewusst) es auch wirklich möchte. Verantwortung ist aber auch, die Folgen des eigenen Tuns gut einschätzen zu können und andererseits nicht zaudernd in Untätigkeit zu verfallen.

Selbst-Verantwortung sollte jeder für sich entwickeln und den guten Lehrer bzw. Therapeuten darin erkennen, ob er sie einem lässt. Das gilt auch für Therapeuten.

Kerstin Kramer, 2015